Mit Autismus auf dem Spielplatz
Der Besuch auf einem Spielplatz mit einem Kind im Autismus Spektrum kann sehr schön und oft auch sehr anstrengend werden. Je nach Wetter, Stimmungslage und Auslastung des Spielplatzes, kann das Kind unterschiedlich auf äußere Impulse reagieren. Daher ist es wichtig, den Besuch individuell zu planen, um auf eventuelle Vorkommnisse so gut wie möglich vorbereitet zu sein.
In diesem Artikel erfährst du, welche Umstände es zu beachten gilt und wie du mit schwierigen Situationen am besten umgehen kannst, so dass der Spielplatzbesuch für dich und dein Kind zu einem möglichst positiven Erlebnis wird.
Der Besuch auf dem Spielplatz kann purer Stress bedeuten
Vorab ein paar persönliche Gedanken: Spielplatzbesuche sind für mich als Mutter grundsätzlich anstrengend und belasten mich zum Teil sehr stark.
Die Autismus Störung ist unserem Kind der nicht anzusehen. Allerdings wird sein untypisches und merkwürdiges Verhalten von anderen Menschen registriert. Hinzu kommt eine durch den Autismus bedingte Entwicklungsverzögerung. Daher ist das Verhalten unseres Kindes auf dem Spielplatz auffällig.
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Das Verhalten der Anderen
So kommt es zum Beispiel zu Situationen, in denen andere Kinder unser Kind ansprechen und es reagiert dann völlig anders als erwartet. Vielleicht ignoriert es das andere Kind, welches dann diese Reaktion nicht versteht und immer wieder nachfragt und im schlimmsten Fall zu weinen beginnt. Oder es kommt tatsächlich zu Auseinandersetzungen mit anderen Kindern, woraufhin ich schnell einschreiten muss, um mein Kind aus der Situation herauszuführen und um weitere Konflikte zu vermeiden.
Manchmal kann es sich anfühlen, als ob Welten aufeinander prallen.
Nach unserer Beobachtung reagieren vor allem Erwachsene hierauf sehr intensiv. Und wenn es nur unterschwellig ist, durch Blicke oder Körpersprache ist die innere Ablehnungshaltung anderer oft deutlich zu spüren.
Es ist so, als könne man die inneren Sätze anderer Eltern förmlich hören: “Was für ein ungezogenes Kind!” oder “Kann der sich nicht benehmen und auf andere Kinder Rücksicht nehmen?!”
Umgang mit anderen Eltern
Wir haben allerdings selten richtige, offene Konflikte mit anderen Eltern auf Spielplätzen gehabt. Spätestens, wenn man sagt: “Entschuldigung, mein Kind hat Autismus!” oder gar: ”Mein Kind hat eine Behinderung!” schlägt die anfänglich gespürte Verachtung sofort in Mitleid und Betroffenheit um.
Es gab allerdings auch Situationen, in denen die Reaktionen der anderen Eltern so herabwürdigend waren, dass ich laut vertreten musste, dass mein Kind auch mit seiner Behinderung das Recht hat, auf einem Spielplatz zu spielen.
Dennoch, das negative Verhalten anderer, die nichts oder kaum etwas von Autismus wissen, ist da und es schmerzt. Deshalb beobachte ich jede Bewegung meines Kindes und bin sofort da, wenn ein möglicher Konflikt entstehen kann, um die potentiell konflikthafte Situation zu entschärfen. Das aber erzeugt bei mir riesigen Stress.
So versuche ich, so gut es geht, Situationen zu antizipieren. Zum Beispiel, wenn mein Kind gerade auf der Schaukel ist und ein anderes auf die Schaukel möchte. Dann bereite ich möglichst früh mein Kind darauf vor, dass es eine Pause machen muss, damit ein anderes Kind schaukeln kann. Auch muss es immer wieder lernen, sich zu gedulden und darauf zu warten, dass das Spielgerät frei wird. Hier können Bildkarten eine gute Hilfe sein.
Impulskontrolle
Dass mein Kind dabei häufig so viel Unterstützung benötigt, liegt daran, das es impulsartig reagiert und diese Reaktionen nicht ausreichend kontrollieren kann. Für ihn ist der erste Impuls wenn wir den Spielplatz erreichen, dass es zur Schaukel läuft.
Zeig mir den Weg, damit ich alleine weitergehen kann! Es ist wichtig, dass wir unsere Kinder dabei begleiten.
Diesem Impuls dann nicht sofort nachkommen zu können, wenn die Schaukel besetzt ist, fällt ihm sehr schwer und es braucht Hilfe und Unterstützung diesen ersten Impuls zu kontrollieren.
Die äußeren Bedingungen
Ob der Besuch auf einem Spielplatz gut oder schlecht abläuft hängt auch sehr stark davon ab, wie frequentiert der Spielplatz ist. Dabei ist auch die die Verteilung von Kindern und Erwachsenen zu beachten.
Sind viele Spielgeräte belegt? Haben Familien sich für ein Picknick ausgebreitet? Sind viele Mütter oder Väter mit Ihren Kindern auf den Spielgeräten? Das alles hat entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung deines Kindes.
Diese Bedingungen sind nicht vorhersehbar und eine Vorbereitung darauf ist kaum möglich.
Wir haben oft ganz unterschiedliche Situationen erlebt. Es gab Tage, an denen wir das Wagnis eingegangen sind und haben uns mitten ins Getümmel gestürzt. Ein anderes Mal haben wir sofort wieder kehrt gemacht weil klar war, dass die Situation nicht zu meistern war. Manchmal kann es helfen Alternativen in der Umgebung zu suchen und auf andere Spielplätze oder Parks auszuweichen.
Um grundsätzlich den Besuch überfüllter Spielplätze zu vermeiden, haben wir uns angewöhnt, diese zu Stoßzeiten nicht mehr aufzusuchen. So ist zum Beispiel nachmittags zwischen 15.00h und 17.00h keine gute Zeit, doch nach 17.00h oder Morgens vor 11.00h ist es oft ruhiger.
Dann hat unser Kind die Möglichkeit frei und unbeschwert spielen zu können.
Vorbereitung hilft
Einige Tipps, die helfen können, den Spielplatzbesuch angenehm und gut zu gestalten:
Ein gutes Ende
Damit feiern wir dann oft den Abschied vom Spielplatz.Denn nicht immer aber manchmal kann es vorkommen, dass, wenn ich gehen will und wir dann aufbrechen, mein Kind sich aus der Spielsituation herausgerissen fühlt.
Mit dem kleinen Ritual des Abschieds und des Mini-Picknicks fällt der Übergang in die nächste Situation und damit der Weggang vom Spielplatz etwas leichter.
Wie ist es bei euch? Welche Vorbereitungen und Strategien machen euren Spielplatz- besuch lohnenswert und für alle fröhlich? Hattet ihr auch schon schwierige Erfahrungen mit anderen Eltern oder Betreuern?
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