23. Mai

Wie das Erst-Dann-Prinzip die Aufmerksamkeit und Kommunikation fördern kann


Inhalt: "Wie das Erst-Dann-Prinzip die Aufmerksamkeit und Kommunikation fördern kann"

Viele Kinder im Autismus-Spektrum, mit ADHS oder anderen neurodiversen Eigenschaften haben oft die Schwierigkeit, Tätigkeiten, Reihenfolgen oder bestimmte Abläufe zu erkennen und zu verstehen. Besonders wenn sie damit ihre Bedürfnisse aufschieben müssen. 

Für meinen Sohn war es zum Beispiel oft sehr herausfordernd wenn zuerst das Kinderzimmer aufgeräumt werden musste bevor er seine Gute-Nacht Serie sehen konnte. 

Was neurodiversen Kindern besonders schwer fällt

Die Fähigkeit Bedürfnisse für einen gewissen Moment aufzuschieben nennt man Bedürfnisaufschub. 

Die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub kann zum Beispiel bedeuten, dass das Kind nicht gleich beim ersten Gedanken an Schokolade an die  Süßigkeiten-Schublade - sondern vielleicht noch zu warten auf eine bestimmte Tageszeit oder wenn eine Tätigkeit wie Zimmer Aufräumen abgeschlossen ist.

Bedürfnisaufschub und sich auf eine Sache einzulassen ist eine große Herausforderung für uns alle. Gerade in unserer digitalen Welt wenn es überall blinkt und bimmelt.

Menschen, und vor Allem Kinder die eine Neurodiversität haben, haben damit allerdings noch viel größere Schwierigkeiten als neurotypische Menschen.

Neurodiverse Menschen und vor allem Kinder haben es noch nicht gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Das führt zunächst zu einer großen Unruhe, da die Reize ja verarbeitet werden müssen.

Bedürfnisse sind wichtig und wollen verstanden werden

Gleichzeitig haben neurodiverse Menschen auch Bedürfnisse. Mein Kind liebt es auf dem Trampolin zu springen. Er würde am liebsten den ganzen Tag bei Wind und Wetter auf dem Trampolin sein.

So kommt es bei uns oft zu folgender Situation:

Soll mein Kind sein Zimmer aufräumen, oder Schulaufgaben machen, kommt es oft dazu dass er sich verweigert. Es will nämlich ständig nach draußen aufs Trampolin. Meinem Kind fällt es also offensichtlich schwer dem Bedürfnis auf dem Trampolin zu springen aufzuschieben bis die Hausaufgaben gemacht oder das Zimmer aufgeräumt ist.  

Was dann leider passiert: Ich renne meinem Kind ständig hinterher und versuche mit größter Anstrengung, ihn wieder in die ursprüngliche Situation zurückzuführen.

Der nächste Schritt der Eskalation ist dann oft, dass mein Kind sich wie ein Zweijähriger auf den Boden wirft, schreit oder gar aggressiv wird und um sich schlägt.

Warum macht er das? Mein Kind hat nicht gemerkt, dass ich sein Bedürfnis (Trampolispringen) verstanden habe. Er denkt, ich möchte ihm die Freude, auf dem Trampolinspringen verweigern. Und: Er kann keinen Bezug zu der Situation “Zimmer aufräumen” herstellen.

Doch für mich ist dieser Kontext: “Erst Zimmeraufräumen” und “Dann Trampolinspringen” sehr wichtig. Die Aggressivität ist darin begründet, dass wir einen Disconnect in unserer Kommunikation haben.

Kennst Du das?

Es gibt soviel Beispiele

Gleiches trifft zum Beispiel für Situationen zu, in denen das Kind zunächst die Schuhe anziehen soll, bevor es auf den Spielplatz geht.

Oder, darauf zu achten, dass nach dem Essen die Hände gewaschen werden, besonders wenn man mit den Händen isst, bevor das Kind zum Beispiel weiter zum mit Spielzeugautos spielt...

...oder es gibt Zuerst Obst bevor es Kekse zum Vesper gibt. 

Wie Du die Situationen vorbereiten kannst und für Dein Kind die Verbindung herstellst

Eine Möglichkeit die Du hast, Deinem Kind zu vermitteln, was JETZT dran ist bevor das Bedürfnis des Kindes erfüllt wird, ist das "Erst-Dann"-Prinzip.

Die Erst Dann Karte vermittelt dem Kind zunächst visuell, mit Bildkarten welche Situation oder Tätigkeit als erstes zu Ende gebracht wird, bevor der Wunsch des Kindes erfüllt werden kann.

Idealerweise bereitet Ihr Euch so vor, dass bevor Ihr in die jeweiligen Situationen geht (zum Beispiel Zimmer aufräumen oder Schulaufgaben) gemeinsam die Bildkarten auf die Erst-Dann-Karte klebt.

Wie Du Dir die Erst-Dann-Karte zusammenstellst und damit umgehst

Um Dir Deine Erst-Dann-Karte mit Bildkarten zusammenzustellen empfehle ich folgende Schritte:

Lade Dir die Erst-Dann-Karte als pdf-Download hier:


Besorge Dir die Bildkarten für alle möglichen Alltagssituationen, zum Beispiel von Metacom

Drucke das Material aus und laminiere es - zum Beispiel mit diesem Laminiergerät

Klebe Klettpunkte oder Klettstreifen auf die laminierten Karten, so dass Du sie immer wieder austauschen kannst.

Suche Dir wirklich nur die Bildkarten zu den Alltagssituationen aus, die wirklich zu Euch passen (es gibt viele!). Und nun, redet über die Karten! 

Die Erst-Dann-Methode klappt dann gut, wenn ihr Euch mittels der Bildkarten über die Situationen und Bedürfnisse austuascht.

Du möchtest die Erst-Dann Karte nicht selber basteln, oder Dir dafür extra ein Laminiergerät zulegen? Kein Problem, die Erst-Dann Karte gibt es auch bei uns im Shop!

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Laminierte ERST-DANN-KARTE zur Kommunikationsförderung


Die Erst-Dann-Methode fördert Eure Kommunikation

Der positive Nebeneffekt ist: Wenn ihr zusammen die Bildkarten legt, kommt ihr darüber auch ins Gespräch und könnt Euch über die jeweiligen Bedürfnisse austauschen. Damit lernt das Kind zu kommunizieren!

Wenn Dein Kind das Prinzip verstanden hat braucht Ihr eines Tages die Erst-Dann-Karte gar nicht mehr. Dann kann es sogar reichen wenn Du es in Worten sagst: 

ERST [Dieses] und DANN [Jenes]. 

Das kann dann auch ganz spontan im Alltag passieren, zum Beispiel wenn man unterwegs ist und das Kind eine Motivation braucht um weiterzukommen.

Das Erst-Dann-Prinzip hilft deinem Kind zu verstehen, dass sein Bedürfnis verstanden wurde und es nach Beendigung der ersten Tätigkeit oder Aufgabe dieses Bedürfnis befriedigen kann. 

Die Erst-Dann-Methode ist eine Form von Kommunikation die man mit neurodiversen  Kindern gut etablieren kann. 

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